F.A.Z.: Die frühere Schifferstadt wächst

Eine Strukturanalyse des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main stimmt zuversichtlich für die Entwicklung des Wohn- und Gewerbestandorts in Flörsheim. Und sie empfiehlt die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen.


it der Eröffnung der Nordwestbahn des Frankfurter Flughafens sahen viele das langsame Sterben der früheren Schifferstadt Flörsheim am Main gekommen. Der Exodus von Bürgern, die den Fluglärm nicht mehr ertragen konnten, trat ein – aber nur vorübergehend. Und auch die befürchtete negative Entwicklung der Bevölkerungsstruktur ist ausgeblieben. Dass es mit Flörsheim wieder bergauf geht, hat der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main der Kommune nun in einer vergleichenden Wirtschaftsstrukturanalyse mit den Städten Hochheim, Raunheim, Ginsheim-Gustavsburg, Bruchköbel und Seligenstadt bescheinigt. Die Stadt sei durch ihre vielfältige Wirtschaftsstruktur und vor allem durch das Wiedererstarken des Produktionssektors in den vergangenen Jahren gut für die Zukunft gerüstet, zog Rouven Kötter (SPD), Erster Beigeordneter des Regionalverbandes, ein Fazit. Auch die weichen Standortfaktoren wie Bildungsangebote, Nahversorgung mit dem Einkaufszentrum „Flörsheim Kolonnaden“ und die Freizeitinfrastruktur stimmten für den Wohn- und Gewerbestandort zuversichtlich.

Das Lob kam bei Bürgermeister Bernd Blisch (CDU) und der Ersten Stadträtin Renate Mohr (Grün-Alternative Liste Flörsheim) gut an. Es ärgere ihn doch manchmal, unter den Bürgermeistern immer als „der arme Mann vom Untermain“ verspottet zu werden, sagte Blisch. Finanziell stehe die Stadt aber unterdessen solide da. Auch der Haushalt 2021 sei schon genehmigt, obendrein werde der Stau beim Bau der Kindergartenplätze nach und nach behoben, mehrere Projekte seien zudem in Planung, so dass die Stadt auch bald gut gerüstet sei für den Nachwuchs, ergänzte Mohr.

Denn gerade der Bevölkerungszuwachs entwickelte sich in Flörsheim zwischen 2009 und 2019 mit 2400 Neubürgern (Anstieg 12,6 Prozent) erstaunlich, nur nach Raunheim zogen in dieser Zeit mehr Menschen (Anstieg um rund 25 Prozent). Damit übertrifft Flörsheim auch den durchschnittlichen Einwohnerzuwachs im Main-Taunus-Kreis um mehrere Prozentpunkte. Hinzu kommt ein besonderes Plus: Unter den Vergleichsstädten weist Flörsheim mit einem besonders hohen Anteil der 15 bis 64 Jahre alten Einwohner (67,7 Prozent) nach Raunheim auch die jüngste Bevölkerung auf.

Auf dem Weg zur Digital City

Wegen der flughafenbedingten Siedlungsbeschränkung rät der Regionalverband, sich bei den 24,5 Hektar Wohnbaureserven auf die Entwicklung der Gebiete in den Stadtteilen Weilbach und Wicker zu konzentrieren. Bei der Kaufkraft und den Gemeindefinanzen schneidet Flörsheim mit rund 28,2 Millionen Euro Steuereinnahmen in 2019 besser ab als die Nachbarn in der Vergleichsstudie, bei der Pro-Kopf-Verschuldung von 1303 Euro nimmt die Mainstadt einen mittleren Platz ein. Bei der Versorgung mit Kindertagesstätten sieht der Verband die Stadt gut aufgestellt. Es gebe mehr als 30 Spiel- und Bolzplätze. Als Besonderheit würdigt die Studie den Regionalpark: Flörsheim zähle zu jenen Kommunen mit längeren Teilstücken und einer Vielzahl realisierter Einzelprojekte.https://e7c3e9c3cb70820b1eea063f7c402872.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bewegt sich Flörsheim mit 5468 Arbeitnehmern im Mittelfeld der Vergleichskommunen, im Vergleich zu 1987 jedoch machte die Stadt einen Sprung von 116 Prozent. Die Untersuchung bescheinigt Flörsheim vor allem eine Zunahme der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe von 929 im Jahr 2009 auf 1373 im Jahr 2017, die meisten Beschäftigten davon im verarbeiteten Gewerbe und bei Wasser- und Energieversorgern. Eine Besonderheit bietet die Schiffsanlegestelle am Konrad-Adenauer-Ufer durch den Güterumschlag. Der kleine Hafen verdoppelte seit 2009 seinen Gewinn nahezu auf 47.000 Euro. Dort gäbe es weitere Entwicklungspotentiale. Als gewerbliche Reserve stellt die Studie 24 Hektar fest, die größten Areale konzentrieren sich im Südwesten der Stadt.

Die Wirtschaftsstrukturanalyse und ein derzeit in Arbeit befindliches Stadtentwicklungskonzept dienen laut Blisch als Grundlage für die weitere Entwicklung Flörsheims. Am „Durchmarsch Hattersheims“ auf dem Weg zur Digital City werde sich die Stadt im Kleinen nach ihren Möglichkeiten orientieren. Besonders freue ihn der festgestellte gute Branchenmix des Gewerbes. Es sei doch großartig, wenn gerade in so schwierigen Zeiten die Stadt nicht abhängig sei von einem großen Gewerbesteuerzahler, sagt Blisch.

Quelle: F.A.Z.-Rhein-Main-Zeitung vom 5. April 2021. Link: .faz.net/aktuell/rhein-main/floersheim-die-fruehere-schifferstadt-waechst

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