Höchster Kreisblatt: Halbzeit für Rathauschef Dr. Bernd Blisch

Vor drei Jahren übernahm der Flörsheimer die Amtsgeschäfte und schließt eine erneute Kandidatur nicht aus


Bei Sportlern wird gerne von Leistungsdaten gesprochen wenn es um deren Erfolge geht. Bei Kommunalpolitikern könnten ähnliche Kennziffern aufgerufen werden, wenn es denn nur ums Geld geht. Denn anhand der finanziellen Bedingungen können Leistungsdaten aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart bei ihnen abgefragt werden. Bestes Beispiel dafür ist Bürgermeister Dr Bernd Blisch (CDU). Der Rathauschef ist jetzt fast genau drei Jahre im Amt. Am 1. November 2018 hatte er die Geschäfte im Rathaus von seinem Vorgänger Michael Antenbrink (SPD) übernommen. Was verbucht der Flörsheimer zur Hälfte seiner sechsjährigen Amtszeit als Erfolg und was hat sich Bernd Blisch für die weiteren Jahre vorgenommen? Diese Fragen beantwortete der Verwaltungschef dem Kreisblatt. 

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass Bernd Blisch bisher der einzige Flörsheimer Bürgermeister ist, der die Stadt durch die schwierige Zeit einer Pandemie führen und gleichzeitig einen Schuldenberg abtragen musste. Die Schulden sind zwar noch nicht ganz verschwunden, wurden aber während seiner Amtszeit um stattliche Summen verringert. So wundert es nicht, dass Dr. Blisch bei der jüngsten Stadtversammlung darauf explizit hinwies. So etwa, dass die im Jahr 2018 vorhandene Schuldenlast bei den Investitionskrediten in Höhe von 35,7 Millionen Euro während seiner Amtszeit auf 33,3 Millionen Euro gesenkt werden konnte. Außerdem wurden unter seiner Ägide die im Jahr 2018 mit null Euro nicht vorhandene Rücklage auf 10 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 aufgebaut. Und dies ist noch nicht alles, was es an “Leistungsdaten” zu nennen gilt. Denn die damalige Schuldenlast von 16 Millionen Euro in Form von Kassenkrediten wurden mit Hilfe eines Entschuldungsprogramms des Landes Hessen, der sogenannten Hessenkasse, verringert. Rund die Hälfte der Kassenkredite, nämlich 8 Millionen Euro, müssen aber von der Stadt getilgt werden. In der bisherigen Amtszeit von Bernd Blisch konnte bereits mehr als die Hälfte dieser Summe getilgt werden. “Ich bin schon etwas stolz darauf, dass wir wieder Rücklagen bilden konnten und kontinuierlich den Schuldenabbau betreiben”, erläutert der Bürgermeister, der sich ebenso über den – von manchen angezweifelten – Coup beim Umgestaltungsprojekt ehemaliges Marienkrankenhaus freut, das zu einer Art Gesundheitszentrum für die Flörsheimer Bevölkerung umgebaut wird. Vor allem aber sei es ein Erfolg, dass wieder mehr Ruhe in der politischen Ebene eingekehrt sei durch die soliden Etatplanungen, auch wenn diese durch die Corona-Krise beeinträchtigt wurden. Turbulenzen gab es während der Amtszeit des unharmonischen Teams Michael Antenbrink sowie Sven Heß (GALF) bekanntlich genügend, wenn es um den städtischen Haushalt ging. Schließlich war wegen der zu spät und teilweise falsch erstellten Haushaltsentwürfe fast zwei Jahre lang das kulturelle Leben in Flörsheim lahmgelegt. Dazu hatte es damals keiner Pandemie bedurft. 

Ein Miteinander für die Stadtgesellschaft

Bernd Blisch ist froh, dass diese Zeit vorüber und die Stimmung insgesamt wieder besser ist als vor einigen Jahren, auch wenn hier und da von der Opposition verschiedene Kritik geäußert wird. Die Epoche, in der Michael Antenbrink als Verwaltungschef auf ständigem Konfrontationskurs mit der Mehrheit der Stadtverordneten war, ist nach drei Jahren Amtszeit von Dr. Blisch fast schon vergessen. Zurück zu Bernd Blisch: Wie lautet für ihn der Ausblick auf die nächsten drei Jahre seiner Amtszeit? Nach den früheren “Aussetzern” für das Kultur- und Vereinsleben (aus vorgenannten finanziellen Gründen während der damaligen rot-grünen Ära) sei es wichtig gewesen, dass sich die Situation allmählich normalisierte, erklärt Bernd Blisch. Dies habe bis zum Jahr 2019 funktioniert, da sei man auf einem guten Weg gewesen – bis eben die Corona-Krise dann erneut für harsche Einschränkungen sorgte. “Wichtig ist nun, dass wir wieder ein Miteinander für die Stadtgesellschaft organisieren können, wenn Corona hoffentlich bald vorbei ist”, meint der Rathauschef. Der Bürgermeister nennt dann die Projekte, die er nun angehen möchte, so weit es die Corona-Krise sowie die Vorschläge aus dem integrierten Stadtkonzept zulassen. Dazu gehören die künftige Gestaltung und Bebauung der Nordseite des Bahnhofgeländes, die Ansiedlung von Unternehmen im Gewerbegebiet West II, die Lösung des Herrnberg-Problems, das außerdem die umliegenden Straßen in Mitleidenschaft ziehe, sowie die Ausweisung von neuen Baugebieten. Ebenso stehen für die nächsten Jahre auf der Agenda von Bernd Blisch die Neugestaltung des Mainufers sowie die Neugestaltung des Stadtparks, 

Bernd Blisch ist dafür bekannt, dass er bei den Diskussionen kein Polterer ist, sondern mit seiner sachlichen Art und Weise die Probleme angeht. Dass er seine Standpunkte aber zugleich vehement vertreten kann, wenn es ihm nötig erscheint, ist ebenso Teil seines Naturells. Abhängig von seinem Bürgermeisteramt ist der Verwaltungschef nicht – weder ideell noch finanziell. Während manch anderer hauptamtliche Politiker es nicht verwinden kann, sein Amt verloren zu haben, ist Dr. Blisch da völlig uneitel. Der studierte Historiker kann sich zwar “durchaus vorstellen, in drei Jahren noch einmal anzutreten”. Doch wenn ein jüngerer Kandidat entsprechende Ambitionen habe, klebe er nicht am Amt. Aber es sei viel zu früh, darüber zu spekulieren, meint er zu seiner “Amtshalbzeit”. Erst müssen die Corona-Krise bewältigt und weitere Probleme angegangen werden. Dazu sollten die nächsten Jahre genutzt werden.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 15. November 2021

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