Höchster Kreisblatt: Es geht nicht ohne Kultur

Das erste Halbjahr startet 

Wegen einer Formalie gab es im Vorjahr sechs Monate lang fast kaum ein städtische kulturelles Angebot. Dies drohte sich 2019 zu wiederholen. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) konnte das Schlimmste abwenden. 

Flörsheim. Der neue, er seit dem vergangenen November amtierende Bürgermeister von Flörsheim, Dr. Bernd Blisch (CDU), ist ein Kulturliebhaber, der in seiner Einführungsrede leidenschaftlich Goethe und Aristoteles zitierte. Der Amtsantritt des Rathauschefs fiel jedoch ausgerechnet in eine Phase der kulturellen Flaute. Im zweiten Halbjahr 2018 ruhte das städtische Kulturprogramm, weil der Landrat den Flörsheimer Haushaltsplan noch nicht genehmigt hatte.

Das Grundgerüst steht

Ohne grünes Licht für den Haushalt sah sich Kämmerer Sven Heß (Galf) nicht in der Lage, Geld für freiwillige städtischen Leistungen freizugeben, zu denen die Kulturarbeit zählt. Heß verwies auf die Gesetzeslage. Mit Beginn dieses Jahres hätte sich diese Situation wiederholt. Der Kämmerer bringt den Haushalt 2019 erst am 31. Januar ein und erwartet die Genehmigung nicht vor Mai. Ein Kulturprogramm wird es trotzdem geben. Bernd Blisch hat vom Magistrat Gelder für kulturelle Angebote im ersten Halbjahr bewilligen lassen. Das Gremium beschloss, 85 300 Euro bereitzustellen. Damit können die Flörsheimer zumindest aus einem Grundgerüst an Veranstaltungen wählen.

Normalerweise sind die Angebote in der Programmübersicht „Tipp“ zusammengefasst, die für jedes Halbjahr als kleine Broschüre erscheint. Ganz so umfangreich wird die Auswahl für die erste Jahreshälfte 2019 nicht. Stattdessen soll in dieser Woche ein abgespeckter Veranstaltungskalender in den Druck gehen, der auf 20 Seiten auflistet, was mit beschränkten finanziellen Mitteln möglich war. Es sei „deutlich weniger“ als gewohnt, räumt Kämmerer und Kulturdezernent Sven Heß ein. Den Flörsheimern nach dem zweiten Halbjahr 2018 noch ein weiteres halbes Jahr ohne Veranstaltungen zuzumuten, sei schlecht, meint Heß. „Dann ist das Kulturprogramm tot“, so der Erste Stadtrat. Der neue Veranstaltungskalender bilde einen kleinen Querschnitt durch das übliche Angebot. Bei der Zusammenstellung sei darauf geachtet worden, unterschiedliche Bereiche abzudecken.

Für alle Generationen

Der Veranstaltungskalender für die erste Jahreshälfte setzt auf Unterhaltung sowie Bildung und spricht alle Generationen an. Noch in diesem Monat wird es einen musikalischen Abend zu Holocaust-Gedenktag geben. Im Februar stehen unter anderem ein „Büchertratsch“ in der Stadtbücherei und ein Kindertheater auf dem Programm. Angebote für Senioren ziehen sich über das gesamte Halbjahr – unter anderem ein Smartphone Training und eine Seniorenberatung zum Thema Steuererklärung. Jugendliche und junge Erwachsene sollen vom Poetry Slam im Flörsheimer Keller angesprochen werden. Im März gibt es außerdem den Präventionskurs „Selbst Sicher und Stark“ für Kinder. Weinliebhaber kommen im April bei einem Wein-Seminar auf ihre Kosten. Im Mai richtet die Stadt unter anderem ihre Sportlerehrung aus. Zu den Höhepunkten im Juni zählt schließlich das Flörsheimer Sommerfest.

Es gab viel Unmut

Sven Heß bezeichnet das Veranstaltungsangebot unter der vorläufigen Haushaltsführung als „Ritt auf der Rasierklinge“. Für Bürgermeister Blisch war es jedoch wichtig, das Kulturprogramm fortzusetzen. „Es ist doch furchtbar für eine Stadt, wenn nichts mehr stattfindet“, betont der Verwaltungschef. Kultur gehöre zum Leben in der Gemeinschaft dazu. Er habe gemerkt, dass es viel Unmut bei den Flörsheimern gegeben habe, erklärt Bernd Blisch die Entscheidung für das kommende Programm. 

Doch warum war solch ein Minimalprogramm eigentlich nicht schon im Vorjahr möglich? Die Lage sei von Sven Heß damals vielleicht etwas anders bewertet worden, meint Dr. Blisch. „Der Kämmerer sieht das etwas enger.“

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 19. Januar 2019

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