Höchster Kreisblatt: Flörsheimer Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor

Knapp vier Wochen vor der Bürgermeisterwahl standen Amtsinhaber Michael Antenbrink (SPD) und seine Herausforderer Bernd Blisch (CDU) und Einzelkämpfer Markus Ochs beim Bürgerforum des Kreisblatts Rede und Antwort. Das Moderatoren-Duo Dirk Müller-Kästner und Thorsten Remsperger fühlte den Kandidaten auf den Zahn.

Ein Amtsinhaber aus den Reihen der SPD traf auf zwei Herausforderer mit CDU-Parteibuch, die als unabhängige Kandidaten antreten. Die größten inhaltlichen Differenzen verliefen gestern jedoch nicht entlang der Parteigrenzen: Sozialdemokrat Michael Antenbrink und Christdemokrat Bernd Blisch teilten viele grundsätzliche Positionen. Blisch tritt für das Viererbündnis aus CDU, Galf, dfb und FDP an. CDU-Mann Markus Ochs bewirbt sich – zumindest was die Flörsheimer Parteienlandschaft angeht – als Einzelkämpfer. Seine Ideen hoben sich oft stärker von den Visionen der beiden Mitbewerber ab. Deutlich wurden die Unterschiede vor allem in der Diskussion um das stillgelegte Marienkrankenhaus: Ochs sieht in dem Gebäude keine Zukunft für ein Ärztehaus. Der Bürgermeisterkandidat wirbt dafür, die Immobilie abzureißen und am Standort ein „Marienhaus Quartier“ mit Wohnungen und Büros zu errichten. Ochs bezeichnete das Krankenhaus als „Abbruchgebäude“ mit schlechter Bausubstanz. Ein modernes Ärztehaus möchte er an der Nordseite des Bahnhofs entwickeln.

Bernd Blisch, der zu Beginn der Veranstaltung erzählte, dass er im Marienkrankenhaus geboren wurde, reagierte emotional. Den Vorschlag, das Gebäude abzureißen und einen Neubau „Marienhaus Quartier“ zu nennen, finde er zynisch. Michael Antenbrink und Bernd Blisch wollen das Krankenhaus als Fachärztezentrum erhalten. Der Amtsinhaber erläuterte, dass die Marienhaus GmbH als Gebäudeeigentümer auch über das Angebot von betreutem Wohnen nachdenke. Bernd Blisch kritisierte, dass er sich nach der Schließung des Krankenhauses eine bessere Kommunikation durch die Stadtverwaltung gewünscht hätte. Antenbrink betonte, er habe von der Schließung auch erst aus der Zeitung erfahren.

Markus Ochs (von links), Michael Antenbrink und Bernd Blisch stellen sich den Fragen der Moderatoren Dirk Müller-Kästner und Thorsten Remsperger.

Zur Stadtentwicklung gehört auch die Belebung der Altstadt: Markus Ochs monierte, dass viele Geschäfte nicht mehr zu finden seien. Er möchte junge Start-Up-Unternehmen in die Altstadt holen. Michael Antenbrink nannte die Geschäfte in der Wickerer Straße als Beispiel dafür, dass die Bebauung des Axthelm-Geländes von Erfolg gekrönt sei. Er räumte jedoch auch ein, dass es nicht möglich sei, die Altstadt als Einzelhandelsstandort zu bewahren. Der Schwerpunkt müsse auf einer Verbesserung der Lebensqualität liegen – etwa durch die Erneuerung des Mainufers. Bernd Blisch sieht die Aufgaben für die Altstadt ähnlich. „Nicht Einzelhandel allein, sondern Lebensqualität“, forderte der Kandidat des Viererbündnisses. In Richtung Antenbrinks kritisierte er jedoch, dass man am Mainufer erst einmal kaputte Lampen reparieren könne, bevor man den Bereich komplett neu gestaltet.

Neben interessierten Bürgern meldete sich in der Fragerunde auch Ulla Antenbrink, die Frau des Bürgermeisters, zu Wort. Als Blisch das Minus im jüngsten Flörsheimer Haushalt hervorhob, sprang die Gattin dem Rathauschef zur Seite. Sie wollte wissen, wer denn eigentlich bei der Abstimmung die Hand gehoben habe. Blisch, der als Stadtverordneter an der Verabschiedung des Haushalts beteiligt war, erläuterte, dass in den Beratungen Kompromisse eingegangen wurden. „Wären wir alleine gewesen, hätten wir es so nicht gemacht.“

Und wie geht es weiter mit der Weilbacher Umgehung? Antenbrink gab zu verstehen, dass er auf einen Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan des ersten Teilabschnitts nach den Sommerferien hofft. Einen genauen Zeitplan für den Baubeginn konnte er nicht abschätzen. Als Markus Ochs nach Wegen zur Beschleunigung fragte, erwiderte Michael Antenbrink, Hessen Mobil bestehe darauf, dass beide Bauabschnitte gleichzeitig entwickelt werden, weil erst so eine Anbindung an die Bundesstraße entstehe.

Beim geplanten Kiesabbau in Weilbach möchte Markus Ochs zunächst die Entwicklung der finanziell angeschlagenen Rhein-Main-Deponiegesellschaft abwarten. Er sei „kein Freund des Kiesabbaus“. Bernd Blisch warnte vor einer eindimensionalen Sichtweise und Verdammung neuer Kiesgruben. Die Arbeit der GRKW im Weilbacher Naturschutzgebiet sei nur durch Einnahmen aus dem Kiesabbau möglich. Antenbrink bekräftigte, dass die Zukunft der GRKW vom Kiesabbau abhänge.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 30. April 2018

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