Main-Spitze: Der Bürgermeister und der „Panzer“

Bernd Blisch will kleineren Dienstwagen und den Mitsubishi-SUV seines Vorgängers dem Ordnungsamt vermachen

FLÖRSHEIM – Dienstautos von Politikern sind viel mehr als Fortbewegungsmittel. Sie stehen unter besonderer Beobachtung des Bürgers, der sie ja bezahlt. Fallen sie zu groß aus, wird dem Politiker mindestens Protz vorgeworfen, ist es mal der „falsche“ Hersteller, wird über mangelnde Unterstützung der regionalen Wirtschaft geklagt. Mit der Wahl des Dienstwagens trägt ein Politiker jeden Tag auch einen Teil seiner Überzeugungen auf den Straßen und den Parkplätzen zur Schau. Von Altbürgermeister Dieter Wolf ist überliefert, dass er nur unwillig und lediglich wegen der Bedeutung als regionaler Arbeitgeber seinen Opel Omega nutzte. Sobald er nicht mehr Bürgermeister war, wurde ein BMW sein Dienstwagen als GRKW-Geschäftsführer.

Ex-Bürgermeister Michael Antenbrink, der sich auch als Vorreiter der Elektromobilität verstand, bewegte unter anderem einen Dienst-Ampera und zuletzt einen Hybrid-SUV aus dem Hause Mitsubishi. Die Mitsubishi-Bank ist im Flörsheimer Gewerbegebiet angesiedelt.

Bei Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (CDU) steht jetzt ein neuer Dienstwagen an. Nicht, weil es etwas Größeres und Schickeres sein soll. Im Gegenteil: Kleiner soll das neue Gefährt ausfallen, denn mit dem Mitsubishi-SUV in rot-metallic, den er von seinem Amtsvorgänger Michael Antenbrink (SPD) übernommen hat, ist Blisch nie so recht warm geworden. „Panzer“ nennt er das mächtige Gefährt manchmal. „Ich finde es ein bisschen zu groß“, so Blisch im Gespräch mit dieser Zeitung. Deshalb will Blisch den Wagen dem Ordnungsamt vermachen, das ohnehin ein neues Fahrzeug mit Allradantrieb brauche. Er selbst würde sich dann gerne einen kleineren Dienstwagen leasen. Marke und Antriebstechnik – Elektro, Benzin, Diesel, Gas oder Hybrid – sind noch völlig offen, so Blisch auf Anfrage.

Mit Autos hat es Blisch, der privat einen Opel Corsa fährt, sowieso nicht so. „Ich muss mein Ego nicht übers Auto aufbauen“, sagt Blisch. Und beeindrucken lässt er sich von den Blechkisten sowieso nicht. „Mir ist jemand mit einer anständigen Thomas Mann- oder Fontane-Ausgabe im Regal lieber, als einer mit einem großen Auto in der Garage und noch einem SUV davor“, sagt Blisch.

Quelle: Main-Spitze vom 7. Juni 2019

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