Main-Spitze: Der neue Bürgermeister Bernd Blisch will nicht nur wollen, sondern auch machen

Amtseinführung und Verabschiedung seines Vorgängers Michael Antenbrink im Rahmen einer festlichen Stadtverordnetenversammlung.

Der eine Macher geht, der andere Macher kommt. Von Kontinuität im Amtsverständnis, dies wurde am Dienstagabend in der feierlichen Stadtverordnetenversammlung deutlich, kann beim Wechsel von Michael Antenbrink zu Bernd Blisch aber dennoch keine Rede sein. In einem würdigen und angemessenen, teils auch amüsanten Rahmen wurde Bernd Blisch (CDU) als neuer Bürgermeister eingeführt und Michael Antenbrink (SPD) aus dem Amt verabschiedet. Stadtverordnetenvorsteher Steffen Bonk gelang in seinem Rückblick auf Antenbrinks Amtszeit der Spagat, einerseits Konflikte anzusprechen und Lobhudelei zu vermeiden, andererseits aber auch die unbestrittenen Verdienste des scheidenden Rathauschefs angemessen zu würdigen. Bonk lobte Antenbrink als Politiker von Tatkraft und Durchsetzungsfähigkeit, von Zähigkeit und Prinzipientreue, Fleiß und Sachkenntnis. Bonk unterschlug aber nicht, dass die politische Bewertung von Antenbrinks Wirken sehr unterschiedlich und nicht immer schmeichelhaft ausfalle. Zur Leistungsbilanz Antenbrinks zählte Bonk neben zahlreichen Bauprojekten wie Wickerer Kreisel, Weilbacher Feuerwehrgerätehaus oder der Erweiterung der Kläranlage auch den neuen Bauhof sowie das größte Projekt, den Bau des neuen Rathauses, mit dem eine städtebauliche Wunde geschlossen worden sei.

Auch Michael Antenbrink warf in seiner Abschiedsrede einen eher nüchternen Blick zurück und unterschlug nicht, dass die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Kommunalpolitikern nicht einfach gewesen sei. „Erwarten Sie jetzt von mir für die letzten zwölf Jahre bitte keine Dankbarkeit, das wäre an dieser Stelle deplatziert“, sagte Antenbrink. Das Amt, das nun sein Nachfolger übernimmt, sei eine große Herausforderung und verlange viel Einsatz. „Ich habe diese Last immer gerne getragen, denn ich hatte stets das Gefühl, dass Flörsheim am Main und seine Bewohner es wert sind“, schloss Antenbrink seine letzte Rede im Parlament, bevor er, begleitet von Applaus, in der Magistratsbank Platz nahm.

Bernd Blisch, ganz Geisteswissenschaftler, stellte seine Rede unter das Motto eines Goethe-Zitats aus Wilhelm Meisters Wanderjahre. „Es ist nicht genug, zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss es auch tun“. Der Text als Collage soll sein künftiges Amtszimmer schmücken, so Blisch. Die zeitgenössische Interpretation fand er auf der Pinnwand einer Freundin: „Machen ist wie wollen – nur krasser.“ Dieses Tun, das über das Wollen hinausgeht, erhob Blisch zu seinem Credo. Ein einsamer Macher, der alles weiß und niemanden fragt, will der Historiker, der die tschechischen Philosophen- und Schriftstellerpräsidenten Thomas Garrigue-Massaryk und Vaclav Havel bewundert, aber nicht sein. Die gerade bei Historikern verbreitete Verzagtheit, wenn es darum geht, Dinge auch anzupacken, will Blisch für sich nicht gelten lassen. Nicht nur wollen will er, er will auch machen, aber nicht allein. „Euch macht ihr’s leicht, mir macht ihr’s schwer“, ruft Blisch, Hans Sachs in Richard Wagners Meistersinger zitierend, den Gästen zu. Und fügt hinzu: „Ich hab’ es so gewollt.“ Die Stadtgesellschaft forderte Blisch auf, nicht nur zu hadern, sondern zu handeln. Den Wind könne man nicht ändern, aber die Segel richtig setzen, so Blisch in Anlehnung an Aristoteles. Im Anschluss an den offiziellen Teil, der von Ivonne Kluin (Sopran) und Jürgen Schmidt (Klavier) untermalt wurde, wurden Michael Antenbrink und Bernd Blisch von einer kaum enden wollenden Schar von Menschen verabschiedet und im neuen Amt willkommen geheißen. Der anschließende Empfang, zu dem der Musikverein spielte, wurde zu vielen Gesprächen genutzt.

Quelle: Main-Spitze vom 1. November 2018

Bild: Jens Etzelsberger, Treffen der Generationen: Bernd Blisch mit den beiden Altbürgermeistern Dieter Wolf (links, Flörsheims Bürgermeister von 1979 bis 2000 ) und Josef Anna (rechts, Flörsheims Bürgermeister von 1962 bis 1979 ).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.