Flörsheims Stadtentwicklung bis zum Jahr 2040

Meine Rede zur Stadtentwicklung Flörsheims bis zum Jahr 2040 möchte ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten. Sie finden diese nachfolgend. Viel Vergnügen beim Lesen! Und Sie haben sicherlich ebenso Gedanken, Ideen, Wünsche und Vorstellungen. Sprechen wir drüber

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
werte Kolleginnen und Kollegen,

„wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Die bekannte Sentenz von Antoine de Saint-Exupéry sei mir hier am Anfang meiner kurzen Ausführungen erlaubt, haben wir doch ein Schiff im Stadtwappen und sind selbst erst vor wenigen Wochen auf unserem Narrenschiff „Flora“ durch Flörsheims Straßen gefahren.

Bürgermeister Antenbrink legt der Stadtverordnetenversammlung heute mit Drucksache XVIII/0270-D den Antrag auf Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts vor – mit Planungshorizont bis zum Jahr 2040.

Die Männer – und in unserem Fall der Stadtverordnetenversammlung auch Frauen, das sollte am Internationalen Frauentag nicht unerwähnt bleiben – hat er also schon zusammengetrommelt, viel Holz, sprich: eine umfangreiche Anlage zur Drucksache ist auch schon beschafft. Das Ganze macht den Eindruck, als ob man jetzt nur noch die Aufgaben vergeben und die Arbeit einteilen müsse. Unser Bürgermeister als „Macher“,  der nicht lange fackelt, sondern schnell umsetzt. So kennen wir ihn.

Es gehört nicht viel dazu festzustellen, dass jetzt das große „Aber“ kommt. Wo ist sie, die „Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“ oder, um wieder zum Stadtentwicklungskonzept zu kommen, die Idee, die Vorstellung von unserer Stadt in den nächsten zwanzig/dreißig Jahren – und darüber hinaus?

Ich höre jetzt schon Stimmen, die sagen: Ja, jetzt geht es doch erst um das Anschieben des Prozesses. Genau das soll doch in dem prozesshaften Weg hin zu einem Stadtentwicklungskonzept erarbeitet werden.

Den Stimmen möchte ich aber antworten: Wenn nicht wir, die wir die Gesamtstadt, aber auch jeden unsere Stadtteile kennen, zunächst eine Vorstellung von dem entwickeln, was unser Flörsheim im Jahr 2040 sein soll (oder vielleicht erst mal 2030, um so Leuten wie mir noch die Chance zu geben, davon etwas mitzubekommen), und den Planern diese Ideen mit auf den Weg geben, dann können Sie, glauben Sie mir, so viel Geld investieren, wie Sie  wollen oder können – wenn wir die Haushaltsdiskussion der letzten Wochen mit einbeziehen -, dann können Sie alles Geld der Welt in die Hand nehmen und bekommen kein gescheites Ergebnis.

Schauen wir aber zunächst nach dem „Holz“, das gesammelt wurde, also der Anlage:  Unter den Punkten „Siedlungsstruktur, Wohnen und Gewerbe, Einzelhandel, Verkehr, Bildungsangebot, Infrastruktur, sowie Landschaft, Naherholung und Grünflächen“ wird ohne jede erkennbare Leidenschaft ein scheinbarer Ist-Zustand beschrieben. Scheinbar – denn aus der  Prognose von 1548 Wohnungen ist nicht erkennbar, welcher Art Wohnungen dies denn sein sollen: Einzelbauweise, Reihenhäuser, verdichtetes Bauen, Mehrgeschossbauten. Das ergibt aber jedes Mal eine andere Stadt.

Und manches liest sich doch sehr euphemistisch: Zur Altstadt – ich sage lieber „Flörsheim südlich der Bahn“ ließe sich einem Planer doch sicher noch ein bisschen mehr sagen, als dass der Einzelhandel tendenziell rückläufig sei, man aber südlich der Bahn von einem lebhaften Tagestourismus profitiere, zumindest die  Gastronomie.  Ein Rothenburg am Main sind wir leider noch nicht. Und wir sind uns hoffentlich einig, dass der Rathausneubau auch nicht automatisch die Tendenz im Einzelhandel stoppen wird.

Und wenn Sie, werter Herr Antenbrink, schreiben, dass „in allen Stadtteilen städtische Gebäude Raum für Aktivitäten von Vereinen und ehrenamtlichen Organisationen“ bieten, dann wird dabei leider verschwiegen, dass die Politik der letzten Jahre es in Flörsheim den Vereinen oft nahezu unmöglich macht, die Miete für diese „städtischen Gebäude“ zu zahlen. Wenn diese Politik so weitergeht, braucht ein Planen für 2040 das ehrenamtliche Engagement gar nicht mehr zu berücksichtigen. Das sollten Sie der Ehrlichkeit halber dazu schreiben.

Und wenn aufgelistet wird, dass „die Flörsheimer Kernstadt …mit der Gustav-Stresemann-Anlage, dem Christian-Georg-Schütz-Park sowie dem Stadtgarten über drei zentral gelegene innerstädtische Naherholungsflächen“ verfügt, sollte ebenfalls vermerkt werden, dass die Naherholung angesichts der mangel- und mängelbehafteten Pflege dort schon heute nur noch eingeschränkt möglich ist. Mal davon abgesehen, dass Naherholung auch selten in einem Stadtgarten erfolgt.

Es ist hier nicht die Aufgabe, weitere Punkte aufzulisten, wir wollen und werden ja in den nächsten Wochen und Monaten ganz viel über die Stadtentwicklung von Flörsheim reden und diskutieren, also über unsere „Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“.

Und auf den Hinweis, der bestimmt kommen wird, dass das ja nur mit teuer eingekauftem Personal von außen geschehen kann: Ich bin der letzte, der nicht Qualität und Fachwissen schätzt, auch und gerade ein Wissen, das manchmal von außen kommen muss.

Aber die Idee der halbkreisförmigen Entwicklung Flörsheims mit Zirkeleinstich Berliner Brunnen und Zirkellänge bis zur Opelbrücke, eine Idee, die uns die letzten fast 70 Jahre begleitet hat, war eine Idee von Flörsheimerinnen und Flörsheimern, allen voran Anton Mehrfeld, an den, wenn man über Stadtentwicklung in Flörsheim spricht, gerne noch mal erinnert werden kann. Da haben Sie Ihre „Sehnsucht nach dem weiten Meer“ der fünfziger Jahre. Daran möchte ich anknüpfen, so etwas hat mich einmal dazu bewogen, in die Politik zu gehen.

„Habent sua fata libelli“, sagt der Lateiner, und meint damit, dass es oft ein langer Weg ist, bis etwas gedruckt und fertig vor einem liegt. Das Stadtentwicklungskonzept kennt bereits jetzt schon so einen langen Weg. Eine Arbeitsgruppe aus allen Fraktionen machte sich mit dem Bürgermeister auf, die Rahmenbedingungen für das Konzept zu entwickeln. Da war man noch frohen Mutes. Spätestens als man merkte, dass in Wicker Auf dem Goldborn daran gearbeitet wird, Entwicklungen auf den Weg zu bringen, die ein Entwicklungskonzept erst prüfen sollte, und dies dann auch noch mit Material aus der Arbeitsgruppe gerechtfertigt wurde, obwohl es sich nur um Ideenskizzen und theoretisches Potenzial handelte, da war sehr viel Vertrauen verspielt, nicht nur bei den ehrenamtlichen Politikern, sondern auch bei vielen Bürgerinnen und Bürgern. Die Bürgerbeteiligung sollte ein dem Konzept inne wohnendes Dogma sein. Auf dem Goldborn beobachten wir, dass die Bürgerbeteiligung ausgelagert wurde. An eine Firma, die in Hinterzimmern Wickerer Straußwirtschaften Türen für die Beteiligung schließt. Dass man hier nicht so ohne weiteres den Bürgermeister gewähren lassen möchte, können viele verstehen.

Unbenommen der Tatsache, dass angesichts der, wie wir gehört haben, schwierigen Haushaltslage genau überlegt werden muss, wofür und wie viel Geld man ausgibt, kann ich Sie, Herr Bürgermeister Antenbrink, und Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen beruhigen: Es gibt sicher kaum eine Frau oder einen Mann hier im Haus, der nicht grundsätzliche Notwendigkeit sieht, sich darüber Gedanken zu machen, wie eine solche Ausschreibung aussehen soll. Und es geht noch weiter: Ich kenne auch viele Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, die das Verfahren ebenfalls begleiten wollen.

Wenn es nach mir geht, sollten wir sie alle auch gerne mitnehmen bei der Arbeit an unserem Stadtschiff. Damit wir dann, um noch einen großen Dichter zu zitieren, sagen können: „und am ende ganz am ende wird das meer in der erinnerung blau sein“.

Für die CDU, Galf, dfB und FDP beantrage ich die Überweisung an die Ausschüsse BVU und HFA als die zuständigen Fachausschüsse.  Dort ist der Ort für eine breitere Diskussion.

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